April, April! Gamechanger Quagga-Muschel?

Das war natürlich ein Aprilscherz:

Projekt überprüft Einsatz der invasiven Dreikant-Muschel für die Mikroplastik-Reduktion und als Grundlage für biogene Aktivkohle.

Super-Quaggas könnten gezielt Mikroplastik filtern und gleichzeitig Rohstoff für biogene Aktivkohle liefern. Ein echter Gamechanger?
Dieses Bild wurde mit KI erstellt.

Der gestrige Projektstart war natürlich ein Aprilscherz. Aber nicht alles daran war frei erfunden:
Was stimmt:

  • Die Quagga-Muschel breitet sich tatsächlich massiv im Bodensee aus. Das Projekt Seewandel stellt hierzu viele Informationen zur Verfügung.
  • Wir arbeiten im Projekt Clean Lakes, Clean Future daran, den Eintrag von Mikroplastik in den Bodensee zu reduzieren. Unter anderem haben wir Handlungsempfehlungen für Gemeinden erarbeitet, Tipps zur Vermeidung von Mikroplastik im Alltag und ein Online-Quiz (im Downloadbereich).
  • Biogene Aktivkohle ist wirklich ein Gamechanger in der vierten Reinigungsstufe von Kläranlagen. Das hat das Projekt CoAct gezeigt. Aktivkohle aus Restbiomasse bringt die geforderte Reinigungsleistung, wie Versuche in der Kläranlage Kressbronn-Langenargen bestätigt haben. Das Projekt CoAct geht weiter: Interessierte Unternehmen aus der Siedlungs- und Abwassertechnik sowie Pyrolyse-Anlagebetreiber können sich gerne an uns wenden.
  • Und auch das stimmt: Praktikant*innen haben viele Möglichkeiten, sich aktiv in die Arbeit der Bodensee-Stiftung einzubringen! Vielen Dank @Pascal und weiterhin viel Spaß bei uns!
  • Super-Quaggas werden hilfreiche Nutztiere

    Die rasante Ausbreitung der Dreissena rostriformis bugensis im Bodensee ist besorniserregend. “Aber wie alles im Leben hat auch die Quagga-Muschel zwei Seiten”, sagt Pascal S..
    Der angehende Umweltingenieur von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf verbringt sein Praxissemester bei der Bodensee-Stiftung. Beim Blick auf die umfangreiche Projektliste hat er ein Projekt aus dem Handlungsfeld Energiewende mit einem aus dem Handlungsfeld Natur- und Gewässerschutz kombiniert und daraus eine verblüffende Idee entwickelt: Warum nicht das Problem zur Lösung machen? Heute kann der Praktikant mit einem neuen Projekt starten:

    Die invasive Muschel filtert mit ihrem enormen Appetit große Mengen Schwebstoffe aus dem Wasser – darunter möglicherweise auch Mikroplastik. Pascal S. vermutet, dass durch die große Population der Quagga im Bodensee und deren Hunger jegliche Plastikpartikel im See im wahrsten Sinne „verschluckt“ werden.

    Wie erhöht man den Appetit der Muscheln auf Plastik?

    Hier kommt ein Trainingsprogramm für Muscheln ins Spiel: Durch gezielte Futtermittelgabe in einer “Muschel-Akademie” werden die Quaggas auf eine Mikroplastik-Diät trainiert. Erste Experimente mit winzigen Plastik-Happen, zeigen vielversprechende Ergebnisse. Schon bald könnte eine Generation von Super-Quaggas entstehen, die gezielt Plastik aus dem Wasser filtert.

    Wie können die mit Mikroplastik belasteten Muscheln sicher entsorgt werden?

    Nach ihrer „Arbeit“ sollen die Muscheln als wertvoller Rohstoff wirken. Ihr kalkhaltiges Skelett eignet sich womöglich perfekt für die Herstellung biogener Aktivkohle, die in modernen Kläranlagen eingesetzt werden kann. „Es ist genial“, freut sich der angehende Umweltingenieur: „Die Muscheln fressen das Plastik, wir verarbeiten sie, und am Ende helfen sie noch einmal bei der Wasserreinigung!“

    „Auch biogene Aktivkohle ist hocheffizient. Mit dieser Methode könnten wir uns zunehmend vom Einsatz von Aktivkohle fossilen Ursprungs in Kläranlagen verabschieden“, weiß Andreas Ziermann, der im Projekt CoAct mit Partnern den Einsatz biogener Aktivkohler aus Restbiomassen in der Kläranlage Kressbronn-Langenargen erfolgreich getestet hat.

    So wird die Quagga sinnvoll in den Kreislauf integriert zu einem extrem hilfreichen Nutztier. Und nicht zuletzt wird die intensive Ernte der Quagga-Muschel der Populationsstärke massiv zusetzen. Ein echter „Win-Win-Win“-Effekt für den Bodensee und die Umwelt!

    Einige Fragen sind noch offen

    Wären die Muschelschalen auch für den Einsatz in der Kernfusion geeignet? Oder wäre es möglich, sie zur Produktion von recycelbaren Plastikpellets zu erziehen? Das Projekt bietet noch viele Fragestellungen für künftige Praktikant*innen. Wir freuen uns schon jetzt auf kreative Vorschläge – heute, am 1. April!